
Wasp – Agent im Wabenuniversum
Schreibübungen aus dem Kurzgeschichtenspiel
Wasp rödelte schon mehrere Stunden an dieser beschissenen, klemmenden Einstiegsluke des havarierten Raumerstocks herum. Zuerst hatte er es natürlich mit dem Eingabefeld versucht. Doch mittels seines abgespeicherten mäandernden Passtanzes konnte er nur ein sich auf den Holofeld verästelndes, irisierendes Lichtband erzeugen, das in ihm eine massive Schwellenangst erzeugte und ein solches Fernweh auslöste, dass er fast seine Aufgabe vergessen hätte. Scheiß mentale Apisabwehr!
Dabei schien es so einfach, dieses kleine verlassene Gefährt der Feinde zu erobern. Als seine automatische Stachelsurre das Objekt geortet hatte, war kurz zuvor seine Tänzelortung durchgelaufen und hatte in 50 Millionen Blühspannen keine verdächtigen Apisspuren gefunden. Also musste Lupa Alatuss, die letzte Königin gestorben und und eine junge Reina einen Teil des Volkes in ein anderes System geführt haben. Diese wichtige Meldung hatte er sofort weitergegeben. Bald schon würden die Scherenschnitt-Krieger mit den extrlangen und scharfgezackten Kieferklauen zum zurückgebliebenen Rest der Kolonie fliegen und im geschwächten Stock ein Schlachtfest feiern. Und er durfte sich hier mit diesem störrischen Ding herumplagen.
Dabei lohnte sich der Aufwand nur selten. Manchmal waren diese Raumer sogar extra zurückgelassen worden, um solche wie ihn zu ködern. Ging das Ding nach einer Weile doch auf und man kroch herein, wurde es den armen Kollegen erst dämmrig im Geist und dann wurden sie mit einer Flüssigkeit besprüht, die noch klebriger als der Honig war, doch sich so zäh und vollständig um die arme Sau legte, dass dieser nach wenigen Stunden des Kampfes an Erschöpfung starb. Die, welche man noch fand, waren nur noch eine leere Chitinhüllen gewesen. Weiß der Teufel, was diese verdammten Bienenmonster mit ihnen angestellt hatten.
Deshalb hatte er auch jetzt diesen blöden neu entwickelten Raumanzug an, der ein zweites Exoskelett mit säuregepufferten Gelenken hatte. Nur war es damit echt scheiße schwierig, diesen beschissenen Tanz in genau der Form zu machen, der die verdammte Luke öffnete. Und es wurden immer weniger Chelifer gefunden, die ihnen als Spione die jeweils neuen Tänze übermitteln können. Früher machten das auch die Varroa und die Campanossus, doch die brauchten immer einem Weile, bis sie die neuen Kolonien erreichten und mit ihren rückständigen Raumern die Tänze an sie weitergeben konnten. Bis dorthin waren diese oft schon obsolet.
Wahrscheinlich war das auch hier der Fall. Da es offensichtlich kein Honigtransporter war, würde er es noch drei Ringe lang probieren und dann den Rückflug antreten. Er hatte seinen Flügelschnitt für diese Brut sowieso schon lange erfüllt. Hoffentlich hatten die Sucher noch was zum Fressen gefunden. Er hatte nach der Anstrengung jetzt echt einen mords Kohldampf!
Wasp 2
„Das haben wir gerne! Kaum drei Parsec von unserer Wabe entfernt, schon wedelt er mit mit seinem Schwanz wie Turf, unsere legendäre Rasensprengerin. Dabei hat der noch nicht einmal einen Stachel in einer Melone versenkt!“
Vestibül, der eigentlich Vespiblüh gerufen wurde, weil er jeder Jungbiene hinterherbrummte, als wolle er ihr ganz zärtlich all seine verwirrten Narrative stechen, brummte bedrohlich.
„Düftige Nissenkacke, nochmal! Muss sowas immer passieren, wenn ich den Stock bewache?“
Tippse, dessen Name er seiner Angewohnheit verdankte, nach jedem Geschwänzel seine Fühler am nächsten Hindenis zu stoßen, versuchte Vespi zu beruhigen.
„Jetzt warte doch erst mal! Vielleicht ist es ja diesmal keine Hiobsbotschaft, die uns Wasp bringt. Immernoch hast Du es nicht geblickt, dass er das als Doppelagent tun muss, um mögliche feindlichen Beobachter zu täuschen. Und natürlich zu üben. Wenn die Wespen zu früh merken, dass wir mit unserer Monadentechnik mittlerweile sogar zeitweise ihre Form annehmen können, verlieren wir jeden Vorteil im Kampf um die Vormacht im Feuerblumen-System. Lass ihn durch, er muss schnellstens zu Gastrades, damit der die Daten verarbeiten kann und uns beim nächsten Mähting im Stock die Bewegungen beibringen kann.“
„Ist ja gut, mich wundert es nur, dass Du so ruhig bleiben kannst! Du checkst das mit der Wespensprache ja noch wenger als ich. Mir geht es gewaltig auf die antrainierten Tergiten, dass ich deshalb hier blöd rumstehen muss. Hoffentlich ist Einstach bald mit der Telekinese-Wabe so weit, dass wir angreifen können. Und Häkate mit dem Widerhakenglätter! Mir juckt sowas von der Stachel!“
„Ja, das wäre schon gut. Manchmal habe ich Angst, bald nicht mehr zu wissen, ob ich Bienchen oder Blümchen bin.“ Er grinst. „Nachher lasse ich noch selber den Hinterleib so schlampig runterhängen wie die widerlichen Streifenstecher! Dann kuckt mich kein Pummelchen mehr an. Wann ist eigentlich der nächste Königinnenwechsel. Ich hoffe, wir erleben den Angriff noch!“
