
Wasp – Ernte
Wieder kam die Zeit, da die Götter zum Ernten kamen.
Es war immer die Zeit, wenn die letzten Klatschmohnfelder auf den Monden verblühten und der Salbeimond langsam begann im Licht der Morgensonne lila zu glühen. Riesige Raumschiffe kamen an, gegen die sogar ihr Planet klein erschien. Sie verdunkelten den Himmel, lautlos und mit so bedrohlich nahe, dass man ihre abstrahlende Hitze spürte, bevor sie diesen fürchterlich stinkenden Nebel ausstießen. Zum Glück konnte und durfte sich Wasp immer rechtzeitig absetzen.
Seit eines der Schiffe einen Bienenplaneten einmal versehentlich gerammt hatte, dieser kurz darauf auseinandergebrochen war und alle Brut auf Nimmerwiedersehen ins All verschwand. Ab da schickte ihn die Königin mit Eiern, einigen Ammenbienen und genug Honig zum Überleben vorsorglich mit seinem Schiff zum unbelebten Nachbarplaneten. Wasp war froh, denn da eine mal, als er dem Ereignis beigewohnen musste, hatte einer der unzähligen Erntefinger mit seinem scharfkantigen Nippel am Ende zum Ziehen des Honigs aus den Waben ihm fast den Flügel abgetrennt. Hätte er nicht durch das tägliche Wächterkampf-Trainig seine Reflexe enorm beschleunigt, taugte er heute auch nur noch als Fütterungsdrohne. Außerdem musste er in der Zeit bis zur Rückkehr noch ihren köstlichen Honig genießen. Daheim gab es nach der Götterernte nur diese falsche, zwar nährende aber ekelhaft flach schmeckende Brühe. Und es kostete jedesmal einige hundert Leben. Denn die jungen, noch unerfahrenen Wächter gingen den Erntefingern nicht aus dem Weg, sondern versuchten die Eindringlinge verzweifelt zu bekämpfen. Doch Götterfinger verziehen solch Hybris nicht. Zum Glück wurden es immer weniger, da sie das Wissen um die drohende Nemesis mittlerweile früher in das Ausbildungsprogramm integriert hatten.
Trotzdem war das Eintreffen der Ernteschiffe immer wieder ein Grauen und Wasp war wie die anderen froh, wenn sie Brut und Königin nach deren Abflug noch unversehrt vorfanden.
