Sinn finden 4 Schmecken

Der Geschmack

Für das Untersuchen des Geschmacks machen wir am besten ein kleines Experiment.

Allerdings würde ich vorher zu einer ausgedehnten Pause raten, denn Geruch und Geschmack sind sich so nahe, dass die Unterscheidungsfähigkeit ohne genügend zeitlichen Abstand schnell abnimmt. Alternativ kannst Du es auch wie die Sommeliers machen und dem Mund mit etwas Wasser ausspülen, bzw. ein kleines Stück Weißbrot essen. Damit weckst Du die Synapsen. 


Suche Dir zwei essbare, aber völlig unterschiedlich schmeckende Sachen aus dem Küchen – oder Kühlschrank aus. Vorzugsweise Dinge, die Dir gut schmecken! Nimm zuerst eines in gerade noch schmeckbarer Menge auf die rechte Seite der Mundhöhle zwischen Zunge und Backe und dann, wenn sich der Geschmack beginnt auszubreiten, das Andere (auch hier geringstmögliche Menge!) auf die linke Seite. Nimm die Geschmäcker jedes auf seiner Seite einzeln wahr und beobachte gleichzeitig, wie sie sich von der Mitte aus vermischen. Welches nimmst Du wo am stärksten wahr? Ist Dir etwas an der Mischung angenehm oder wirst Du die zwei Nahrungsmittel in Zukunft lieber wieder einzeln genießen?

Da nach dieser Erfahrung Dein Geschmackssinn gezwungen ist, mehr als gewohnt zu differenzieren und vielleicht auch auszuhalten (z.B. Karamellbonbon versus Senf?) Spüle den Mund wiederum mehrfach mit Wasser aus. Dann wird Dein normaler, Dir sonst nicht bewusster Eigengeschmack auftauchen. Wenn Du darauf achtest, kannst Du vielleicht auch, falls vorhanden, das Metall Deiner Kronen schmecken. Oder Du nimmst dafür etwas Metallisches und Saures zusammen in den Mund.


Bonmot: Es gab schon jemand, der aufgrund verschiedener Metalle im Mund sogar Radio gehört hat. (Walking antenna, metallic fillings and Lucille Ball. – Ask the Experts 693)

Beim Wiederholen mit anderen Geschmäckern zu einem späteren Zeitpunkt (Geruchs- und Geschmackssinn sind im Allgemeinen schneller überlastet als die anderen Sinne) achte darauf, wo in Deinem Mund Du welche Geschmacksnuance schmeckst. Wenn Du bei jedem Essen nur ein paar Sekunden darauf achtest, wirst Du bald immer mehr Einzelbestandteile Deiner Nahrung und ihre Wirkung auf den Gesamtgeschmack herausschmecken können! Willkommen in der Gilde der Gourmets!


Zum Schluss der heutigen Geschmacksübung schau einmal, was passiert , wenn Du Dich an das Aroma Deiner Lieblingsspeise erinnerst! Auch hier kann Dir leicht eine Verbindung zu Deinen bevorzugten oder gewohnten Sinnen auffallen. Ich selbst fühle in der Erinnerung den kühlen Löffel in der Hand, sehe dann die rote Farbe der Soße vom Spaghetti-Eis, bevor ich die weißen Schokostreusel auf der Zunge spüre und danach den vanilligen Geschmack wahrnehme.
Oder ich steche im Geiste die Gabel in die gelben unregelmäßig geformten Dinger, spüre danach das Glatte der selbst geschabten Spätzle auf der Zunge und schmecke sie erst dann. Was ist bei Dir die erste auftauchende Wahrnehmung, die Dir in Folge den Zugang zur Erinnerung erleichtert?


Wenn Du die letzten beiden Sinne so trainierst, wird sich das auch auf deine Fähigkeit positiv auswirken, wunderbare Speisen oder Düfte zu kreieren!




Noch eine Information, die mir und meinen Kindern einige unnötige Konflikte erspart hat. Kinder haben im Gegensatz zu Erwachsenen die doppelte Anzahl an Bitterpapillen und nehmen deshalb Gemüse wie Lauch oder Rosenkohl als besonders bitter wahr. Geht man davon aus, dass die Natur schon weiß, warum sie das tut, wird deutlich, dass das gezwungene Aufessen für das Kind nicht nur emotional schädlich war. Es führte auch dazu, einen Bereich der möglichen sinnlichen Wahrnehmung zu beschränken, da die Abneigungen aus dieser Zeit sich meist durchs ganze Leben ziehen. Außer man macht es sich bewusst und lernt das Schmecken neu. Z.B. Mit den Übungen aus diesem Buch. Allerdings sind es gerade diese Erinnerungen, die recht leicht zu erinnern sind und damit zum Startpunkt einer Veränderung werden können. 

Feierabend für heute und morgen. Das Sinnen-Vehikel kommt erst einmal wieder in seine Garage. Denn morgen ist auch noch ein Tag zum Weiterfahren.


Gönne Dir heute zum Abschluss etwas deutlich Sinnliches! Was wäre am einfachsten zu verwirklichen?  Vielleicht wird es ja etwas, das Dir die weitere Untersuchung der Sinne und ihrer Verbindungen schmackhaft macht?

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