Sinn finden 2

Jetz und Hier – Fühlen




So nicht mehr wollen – Erinnerungen – Spuren – Sehnsucht – Trotz – Unzufriedenheit – Traurigkeit -Ahnen – Etwas muss geschehen sonst…,  Jetzt und Hier




Jetzt und hier sitze ich im Waschraum des Camping Municipale in St. Croix de Verdun, etwa 80 km von der Côte d’Azur entfernt auf angenehm kühlen Kacheln, lade meinen Psion-Akku und weiß nicht so recht, wie ich dieses Buch, diesen Weg beginnen soll.


Deshalb heißt die Überschrift: Jetzt und hier! Auch weil dies in vielen Weisheitslehren der einzig wichtige Moment im Leben ist, der Beginn allen Lebens und allem Neuen. Ich fange für mich diesen Augenblick ein. So wie ich hier sitze, wahrnehme, was jetzt gerade ist, mit all meinen Sinnen, kannst auch Du Deine Wirklichkeit wahrnehmen. So wie sie sich im Augenblick ganz alleine nur für Dich darstellt.


Ich werde nun nacheinander mein Hier und Jetzt in je einem einzelnen Sinneskanal unterteilen und beschreiben, um Dir einen Eindruck, eine Aussicht auf und einen Geschmack  davon zu geben, was für Dich in der folgenden Anleitung stimmig werden könnte. Nimm Dir die Zeit und lies das jeweilige Kapitelnzuerst fertig, bevor Du selbst beginnst, mit den Übungen Deine Sinne zu schärfen.  Da Befehle uns meist innerlich in die entgegengesetzte Richtung vom Gewollten führen, sieh meine Aufforderungen dort als Einladung an und tue nur das, was Dich stärkt und fördert!








Das Fühlen




Eine Woche später, zurück aus dem Urlaub, bin ich wieder bewusst im Hier und Jetzt (Du merkst: Sich kurz Zeit für den Moment zu nehmen, geht fast überall und so gut wie immer ).

Nun sitze ich wieder – Schreiben in anderen Stellungen ist ohne Pult unbequem. Das laue Lüftchen aus Richtung geöffneter Türen streicht kühlend von links über die unbedeckten Stellen meiner Haut. Der Druck von meinem Fuß auf die linke Schuhsohle (oder umgekehrt?) ist etwas breiter als die Druckstellen an Sitzkante und Lehne des Stuhles, auf dem ich ich es mir bequem gemacht habe. Der Punkt, an dem mein nacktes rechtes Bein das linke überkreuzt (es ist Hochsommer!), ist unangenehm warm und wird feucht. Ich spüre, wie sich meine Nackenmuskeln in dieser Stellung immer stärker anspannen, lege das Schreibgerät auf den Tisch und bemerke, bevor ich den warmen glatten Henkel der Kaffeetasse mit meinen Fingern und den etwas heißeren Tassenrand mit den Lippen berühre, den noch heißeren Kaffee über die Zunge in mich hinein fließen, wie angenehm kühl die Stellen sind, an denen mein Ellenbogen und das Gelenk der tippenden Hand den Marmortisch berühren. 


Das sind ziemlich viele Reize, die da fast gleichzeitig auf mich einwirken. Ich löse mich davon und konzentriere mich kurz auf die Atmung. Dann entdecken meine Fingerspitzen den kleinen Unterschied, wenn sie beim Tippen abwechselnd über und dann wieder auf den glatten, leicht konkaven Tasten des Computers liegen.

Da Du sicher mittlerweile erfasst hast, um welchen Sinn es sich jetzt handelt, kann ich endlich eine Pause machen und zulassen und spüren, wie meine Muskeln mir beim Aufstehen helfen.  Um diesem ganz speziellen, sehr unangenehmen Druck weiter unten, mittig in der Bauchhöhle nachzugeben. Er überdeckt alle anderen Empfindungen. Ich muss ihn schnellstens an dafür besser geeigneter Stelle (Toilette)n loswerden.


In Kurzfassung: Druck ablassen ist einfach klasse!


Nun bistb Du dran! Nimm als Stütze die forgenden Fragen:
Was spürst Du deutlich? (in Dir, an Dir)
Was gerade noch?
Wo spürst Du es?
Wie fühlt es sich an?
Verändert es sich, wenn Du es beobachtest?
Was ist das angenehmste Gefühl im Moment?
Wenn nun Du das Hier und Jetzt nur mit Deinen kinästhetischen (fühlenden) Wahrnehmungskanal untersucht hast, konntest Du feststellen, dass bei diesem die äußere Distanz weniger eine Rolle spielt. Hier hast Du aber die Möglichkeit, Deine Unterscheidungsfähigkeiten zu steigern, indem Du die Aufmerksamkeit mehr darauf richtest, wo in und an Dir die Reize sind und von wo aus genau Dein Ich sie beobachtet. Tu dies demnächst auch einmal in Bewegung (Tanzen, Rad fahren, Laufen, Geschirr spülen …) und bemerke, was sich dabei anders anfühlt. 


Wichtig: Es geht bei den Übungen zuerst einmal nicht um eine Bewertung! Wir haben durch unsere Erziehung und die ganz persönlichen Erfahrungen, die wir in unserem Leben machen durften oder mussten, den ein oder anderen Sinn wegen dieser Erfahrungen bevorzugt oder in Einzelbereichen abgeschwächt. Das diente zu dem jeweiligen Zeitpunkt unserem Schutz und hat uns damals geholfen, unbeschadet weiterzuleben. Doch hat sich so manches mit der Zeit eingeschliffen, was heute gar nicht mehr nötig wäre und uns vielleicht in unseren Fähigkeiten und unserem Lebensgefühl unnötig einschränkt. Die Übungen hier im ersten Teil, dienen deshalb nur dazu, unsere von unserem Körper und Geist angelegten Sinne neu zu entdecken und eventuell probeweise zu erweitern. 


Was Du aber gerne tun kannst:


Schließe die Übungen immer mit der Frage nach der angenehmsten Wahrnehmung ab und begieb Dich in Erinnerung noch einmal in dieses Erleben. Das erhöht massiv die Motivation für zukünftiges Lernen und Üben.






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