
Die Aufgabe – die Leere – der Sprung
Wehren und Abstürzen – Nichts geht mehr – der Stopp – Schicksalsschläge – Fügungen
Jeder Mensch hat Momente, in denen nach einer Zeit des Kämpfens und Durchhaltens die Kraft erschöpft ist. Bis jetzt hat man sich tapfer gewehrt, sich im Griff gehabt, doch nun geht nichts mehr. Entweder ein Schicksalsschlag ereilt Dich, eine Krankheit, ein neuer Mensch begegnet Dir oder Du gibst einfach auf. Seltsamerweise ist der Zustand nach dem Aufgeben nicht annähernd so schlimm, wie man vorher annahm. Wahrscheinlich auch nicht nach einem Selbstmord – nur, dass man dies dann leider nicht mehr bemerkt.
Sehr oft fragt man sich dann, warum man sich vorher solch einen Stress gemacht hat.
Eine berechtigte Frage!
Vielleicht handelten wir oft nach dem Motto: Nicht so schnell! Lass mich das Elend erst mal richtig auskosten! (Ironie aus!)
Doch eigentlich hat die Sache ja was. Zumindest war man trotz des Elends erfüllt und reich an Gefühlen. Bedauerlicherweise größtenteils mit schmerzhaften und kräftezehrenden Gefühlen. Zwischendrin gibt es in solche Phasen immer kleine Erholungsphasen, in denen wir Hoffnung schöpfen. Bis es doch wieder schlimmer wird.
Wir sind vor der Loslösung voll mit
Stress
Sorgen
Wut
Sehnsucht
Hilflosigkeit
Angst
Trauer
Verzweiflung
Selbstzweifeln
und was es sonst noch so alles Quälendes gibt. Wenn wir aufgeben, geben wir diesen Reichtum, dieses spezielle Erfüllt-Sein mit auf.
Wir werden leer!
Das klingt ja eigentlich nicht schlecht: endlich Frieden!
Nur – wie lange halten wir die Leere aus? Und wie füllen wir diesen Hohlraum wieder auf? Woran sollen wir uns orientieren, wenn da nichts ist? Woran uns halten? Zumindest ein Gefühl kehrt dann schnell zurück: die Angst! Oder zumindest ein vages Unbehagen.
Haben wir dann keine Hilfe, keine Richtung oder zumindest eine Ahnung, wie und wohin wir uns in Richtung sichere und angenehme Gefilde orientieren können, greifen wir höchstwahrscheinlich den nächstbesten Halt. Oder wir überlassen das Füllen der Leere wie schon so oft davor anderen! Dann brauchen wir uns allerdings nicht wundern, wenn wir bald mit dem, was uns nun erfüllt, wieder genauso unzufrieden sind, wie schon zuvor. Deshalb ist es wichtig, unseren Sinnen zumindest einen ersten Anhaltspunkt zu geben, wohin wir diese Leere füllen wollen! Wir dürfen uns fragen, was das für Gefühle sein sollen, mit denen wir ab jetzt erfüllt sein möchten?
Vielleicht scheint es, als wüsstest du es nicht, aber wie willst Du wissen, dass es Dir schlecht geht, wenn Du keinen Vergleich hast?
Zugegeben -in negativ gefärbter Gemütsverfassung ist es nicht ganz einfach, sich an Positives zu erinnern. Doch irgendwo da hinten unten in Deiner Vergangenheit muss wohl etwas gewesen sein, das sich – und sei es nur für Momente – besser angefühlt hat. Es fehlt nur ein Einstieg. Wenn der Anfang erst gemacht ist, kommt der Rest meist von selbst.
Wer kennt das nicht? Leider hat man dieses Phänomen bisher nur ungut in Erinnerung. Frei nach dem Motto: Wenn es kommt, dann dicke und oft alles auf einmal!
Vorschlag: Warum nicht die Richtung umdrehen?
Klingt es nicht viel besser, wenn wir sagen: Ein Glücksfall kommt selten allein!
Male es Dir doch einfach aus und ahne, was da alles Fantastisches mit Fanfare und Tusch auf Dich zurollt.
Als ob Du den richtigen Riecher gehabt hättest,
zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz wärst,
den Geschmack von Freiheit und Abenteuer inbegriffen
das Glück Dich fast erschlägt
und Deine Wünsche erhört werden.
Das wäre doch Schicksalsschläge, die man gerne einsteckt?
Vielleicht sollten wir dafür besser das Wort Schicksalsküsse erfinden?
Wenn Du Dich an Dein Vorstellungsvermögen erinnerst, wie Du es im Laufe dieses Buches schon mehrfach getan hast, lass Dir Deine Sinne durch die Fantasie in die gewünschte Richtung führen und lasse Dir dort mindestens drei Wünsche von einer inneren Fee oder einem ähnlichen Wesen erfüllen! Auch wenn Du die Fee nicht entdecken konntest und Dir auf Anhieb keine drei Wünsche eingefallen sind, nimm den einen, der Dir als Erstes einfällt.
Stell Dir mit allen Sinnen vor, wie es ist, wenn er Dir erfüllt worden ist.
Wie fühlst Du Dich damit?
Lohnt es sich, dieses Gefühl zu integrieren?
Dürften davon noch mehr Deine Leere ausfüllen?
Noch stört vielleicht etwas Wehmut beim Loslassen. Wehmut taucht oft beim notwendigen Erinnern an Vergangenes auf, sei es nun freudig oder schmerzlich! Bis zu einem gewissen Grad ist sie ja auch ein heimeliges Gefühl. Nur -wenn Du loslässt, Dich endlich fallen lässt, willst Du, dass diese Wehmut gleich wieder mit im Boot ist? Dass sie Dich wieder in Altbekanntes zurückzieht?
Ich würde lieber darauf verzichten!
Wenn Du diese Wehmut oder auch anderes, das bisher schwächende Gefühle ausgelöst hat, respektieren willst, weil sie Dich zumindest bis hierhin geführt haben oder Dich sogar mahnten, Dich weiterzuentwickeln, kannst Du ihr und den damit verbundenen Gefühlen auf einem Kaminsims, dem Speicher, dem Keller oder einer Vitrine einen Ehrenplatz geben. Nur darfst Du sie dazu so weit schrumpfen, sie neu anmalen oder sie wie einen Vogelkäfig mit einem Tuch verhängen. Ganz wie es Deine Fantasie erlaubt! Du wirst damit sicherstellen, dass die Wehmut und die damit verbundenen Muster nicht mehr in der Lage sind, Dich herunterzuziehen. Sie sind ab jetzt Mahnung und Erinnerung an Deine neue Ausrichtung!
Die Erfahrung zeigt, dass Respektiertes sich leichter verabschieden lässt. Achtlos Weggeschobenes und Ungeliebtes verschwindet zwar vordergründig, doch entzieht sich allzu leicht unserer Kontrolle und kehrt gerne in den ungünstigsten Momenten wieder. Dann aber unangemeldet und von Hinten! Deshalb ist es sinnvoll, ihnen in unserem Seelen-Haus, unserem Speicher ein Plätzchen zuzugestehen. Aber eben auch uns selbst zu erlauben, diesen Platz zu bestimmen und die Größe, damit diese Hemmnisse sich nicht wie bisher in den Vordergrund drängen können.
Nun kennen wir die Voraussetzungen und Hilfsmittel, die uns ermöglichen, die entstehende Leere auszuhalten und sie so lange wie nötig für angenehmere Gefühle und sinnvolle Muster freizuhalten.
Die Leere, die Wehmut und das Aushalten sind wichtige Zwischenschritte!
Du darfst es ruhig schwierig finden! Mönche üben jahrelang, um in die Leere zu kommen. und sie zu halten. Denn sie ist der Urgrund, auf dem im Fluss unseres Lebens neue Inseln entstehen. Zwischen den Vorwärts- und Rückwärtsströmungen, dem Ort an dem das ewige Für und Wider seinen Nullpunkt findet, fallen kleinste Sandkörnchen aus und bilden die Grundlage für Neues, bisher nie Dagewesenenes. Statt mit Askese und Meditation, kann uns das bewusste Erleben und Aushalten unserer Emotionen zu diesem Punkt führen. Mir hat diese Erkenntnis geholfen, meine Prozesse, meine Muster und die damit verbundenen Muster leichter auszuhalten und weiter zu suchen, bis ich Mittel und Wege wie die im Buch beschriebenen fand. Neben Respekt und Anerkennung, schenkte es mir auch ein Gefühl der Dankbarkeit. Mit ihm fällt das Loslassen leichter!
Um uns dem Loslassen näher zu bringen, können wir auch die im Buch beschriebenen Methoden nutzen. Ich nehme zur Einführung wieder ein Beispiel, das Sprache wörtlich nimmt: Ich hänge und will das Seil loslassen. Ich habe Angst, aber weiß, dass das festhalten immer schwerer wird und ich es sowieso irgendwann loslassen werde. Ich möchte mich sicher fühlen und sanft aufkommen. Oder wenn ich springe, von wo auch immer, will ich wissen, dass ich ganz und heil unten ankomme! Ich lasse ja Schmerzhaftes hinter mir!
Dafür langt Dankbarkeit alleine nicht aus. Für die nötige Sicherheit ist wieder unser Körper mit all seinen verschiedenen Gefühlen gefragt. Wir brauchen Zugang zu allen unseren Ressourchen!
Sicherheit können wir uns auch hier durch Praxis und Üben erarbeiten.
Lass uns klein anfangen!
Das heißt also, dass wir zuerst von einer Bierkiste springen, statt gleich von der hohen Klippe ins Meer! Beispielsweise kannst Du Dir ganz eine Matratze auf den Boden legen und Dich mit geschlossenen Augen rückwärts auf sie fallen lassen. Diese Übung wirkt einfach, doch kostet zu Anfang schon eine ganze Menge Überwindung. Wenn Du magst, kannst Du Dir dazu eine passende Umgebung vorstellen.
So etwa zuerst den Schwimmbeckenrand, danach den Absprungblock, dann das Dreimeter-Brett und zuletzt das Fünfmeter-Brett.
Oder hinter Dir einen Menschen Deines Vertrauens und Du fällst einfach in seine ausgestreckten Arme.
Oder Du springst in ein Feuerwehrsprungtuch und jedes Mal einen Stock höher.
Oder Du kletterst einen Felsen hoch und springst von dort oben.
Oder Du stellst Dir einen Bungee-Sprung vor.
Oder Du sitzt in Deinem Nest, breitest Deine Adlerschwingen aus und lässt Dich vom Rand fallen.
Oder Du bist ein Falke und hast weit unten eine Maus entdeckt.
Wer mag, kann sich auch einen Fallschirmsprung, Gleitschirm- oder gar Skydive-Flug vorstellen.
Wichtig bei dieser Übung sind der Moment vor und die Überwindung zum Sprung. Den Genuss und das Hochgefühl danach sind im Preis inbegriffen.
Sinnvoll ist wieder, dass Du in Deiner Vorstellung so weit wie möglich mit allen Sinnen dort bist, wenn Du den Sprung wagst. Aber auch, dass Du Dir verzeihst, wenn Du es nicht sofort schaffst und deshalb gleich eine Stufe leichter wagst.
Denn im wahrsten Sinne des Wortes ist auch hier noch kein Meister vom Himmel gefallen!
Ich wünsche Dir viel Spaß beim Erleben!
