
Sang & Klang – Los!
Text aus 2024 zu Worten aus der Kurzgeschichtengruppe des Joyclub
Olaf sang. Früher hatte er geschrieben. Heute trank und sang er. Sozusaufen von Literatur zu Liter und Dur. Literadur, wenn mensch so will. Nicht dass mensch ausser ihm etwas gehört hätte. Nein, denn da die Musik sich weigerte, in seinem Leben außerhalb zu spielen, sang er intern. So musste sich niemand sein Elend anhören. Denn es klang und klänge schlimm. Das musste er zugeben. Deshalb blieben sein Zugaben besser schlimmtern.
Da er schon lange keinen Abnehmer für seine Texte fand, musste er von der Stütze leben. Und vom Pfand. Wenn er nicht voll war, hätte er sich am liebsten selbst als große Flasche abgegeben. Wie auch immer, mittlerweile war trotz des Dauervollseins sein Kopf so leer, dass darin nur noch Pfandasie-Blüten gediehen. und genauso schnell, wie sie gekommen waren, wieder verblühten.
Apropopo. Wenn er bis Monatsanfang keinen Zaster auftreiben konnte, um seinen Vertrag zu bezahlen, blühte ihm die Abschaltung der Datenverbindung. Dann fiel er ganz ohne Netz auf den doppelt vermüllten Boden.
Irgendetwas musste geschehen! Dringend und bald. sehr bald! Schließlich war er eigentlich ein schlaues Kerlchen. Als es noch Zeitungen gab und Journalisten noch direkt vor Ort recherchierten, waren seine Storys durchaus gefragt. Doch seit diese KI-Botsen, die Artikel zusammenstümperten und die Zeitungshäuser sich ihrer Redakvielzuteuren entledigt hatten, die Verlage nur noch E-Books verkauften, waren er und seine Kollegen von der schreibenden Zunft massenweise in Frührente geschickt worden. Die staat- statt stattliche Grundversorgung reichte hinten und vorne nicht. Nicht mal für anständigen Wein. So gesellten sich zu den Depressionen bald noch morgendliche Kopfschmerzen und abendliches Sodbrennen. Aus Lachsfilet und Bandnudeln wurden Fertiglasangne und Dosenerbsen.
Der Motivation fehlten so innerhalb weniger Wochen jedwede Motive, die eine Hinwendung verdient hätten. Der Ideenfluss trochnete aus und der Alkoholpegel stieg unaufhörlich.
Das musste eine Ende haben. Musste? Muss! Wird!
Nein hat jetzt ein Ende!
Nur was tun? Die Aussicht KI-nkerlitzchen für die vielen Kunterbunternehmer in den asozialen Netzen zu produzieren, gab ihm nicht den richtigen Schub. Er wäre ja soger bereit gewesen, sich auf dem Bau oder im Handwerk zu verdingen. Er hatte schließlich zwei rechte Hände und lernte schnell. Doch wurde dort mittlerweile das meiste von DDDruckern und RohBots erledigt.
Für den Begleitservice war er nicht geeignet. Emotional wie vom Alter. Nicht mal, wenn er sich neue Klamotten, einen anständigen Rasierer und gutes Nuttendiesel leisten könnte.
Irgendeine Nische musste es doch geben, in der er Wurzeln schlagen könnte, blühen und wenigstens ein paar Früchte extra ernten!
Wurzeln, Früchte? Wenn der Markt schon nichts mehr im Literaturbetrieb hergab, vielleicht dann auf dem richtigen Markt, dem Wochenmarkt? Vielleicht nehmen ihm die Menschen dort ja einige seiner schönsten Stiblüten ab? Als Liebesgedichte oder handschönschriftliche Briefe. Irgendwo liegt doch noch der Füllfederhalter rum und in einer Schublade ist noch ein Block Büttenpapier und passende Umschläge finden sich dort auch!
Nun denn. Auf in den Kampf! Als Erstes aufräumen. Dann Flaschen abgeben. Das Pfand sichert ihm die Getränke im Café. Hoffentlich lassen sie ihn dort arbeiten. Wobei. Dort arbeitet John. Sein ehemaliger Kollege aus der Redaktion. Die haben zu seinem Glück noch keinen Servicebot. Die Leute auf dem Markt wollen noch von Menschen bedient werden. John wird er schon bequatschen können. Er kann ihm ja eine Provision anbieten.
So wird dann doch aus Pfandasie wieder Phantasie. Super!
