
Rigobalds Mysterium
Als Rigobald Runzlich seine wichtigsten Petersilien an die Handelskammer verlor, unter anderem seine geistige Zu- und Abrechnungsfähigkeit, merkte er es nicht mehr. Der Schlag auf den Hinterkopf führte aber nicht nur zu Unregelmäßigkeiten ím Ürk,nnen der rochtigon Tusten auf dem Liptab, vor dem or soß, sondern auch rapide zum Horzstillstend. ————————. Null. Nix. Schluss. Ende Gelände.
(Vorerst! (Hihi))
Der ihn untersuchende Beamte nuckelte an seiner kalten Zigarre und war natürlich derjenige, der flugs alle sperrigen oder relevant wertvollen Utensilien am Tatort in Tütchen packte. Tatütata-Tüten, in welchen sie letztendlich zum Verstauben in der Asservatenkammer landen würden. Unfall oder Selbstmord führten nämlich selten dazu, dass sie diese Kiste wieder verließen. Und Anverwandte, die diese Dinge daraus befreien könnten, hatte er nicht . Was Rigobald (plötzlich nicht mehr runzlig) wenig juckte, da er nun ortörtlich über all diesen weltlichen Profanitäten schwebte.
Allerdings wirkte wohl der Schlag auch hier oben noch deutlich nach. Seltsamerweise war er selbst in diesem postvitalen Zustand noch immer recht benommen. Was wohl der Grund war, dass er noch immer unter dieser spinnwebverhangenen grauen Decke mit diesem schrecklichen Büroröhrenlicht hing, anstatt entweder dem Leichensack zu folgen oder weiter gen glückseliger Ewigkeit zu entschwinden. Dabei hatte er sich zeitlebens bei der in seinen Augen langweiligsten Arbeit der Welt vorgestellt, wie es wäre, einfach durch Wände und Decken diffundierend aus diesem alltäglichen Elend zu entschwinden. Es müsste toll sein, so freizuwerden und wie die Sonnenstrahlen durch die Lüfte zu eilen! Wohin es immer ihn auch gelüstete, zu sein.
Nun, das merkte er jetzt: All das war nun obsolet.
Er schwebte zwar, doch war immer noch gefangen. Ein paar Augenblicke vor seinem Sturz hätte er wenigstens noch auf den Tritt steigen können, um sich für einen zwar kurzen aber wirklichen Flug durch die Lüfte zu schwingen. Das war misslungen. Doch das Ergebnis fast das selbe. Nur war er drinnen statt draußen. Nach dem Ableben immer noch zwischen den Wänden der Bürohölle gefangen zu sein, war schlimmer, als alle seine Vorahnungen, was einem Menschen nach dem Ableben blühen konnte.
Außerdem stank es jetzt, nachdem der Tatortreiniger wieder weg war, widerlichst nach Terpentin. Damit hatte der Typ das eingetrocknete Blut von der Tischkante entfernt, nachdem die Kripobeamten den Raum wieder freigegeben hatten. Und der Trottel hatte die offene Dose auf dem ausgetretenen Teppichboden umgetreten. Der Spaßvogel hatte in seinem Job wohl schon zu viel Lösungsmittel eingeatmet, denn er pfiff in Endlosschleife die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“.
Sehr einfühlsam! Aber er konnte ja nicht wissen, dass da noch jemand unter der Decke klebt und alles mithören, mitsehen und sogar mitriechen kann. Rigobald dachte: „Na gut, wennschon, dennschon!“ Er schaffte es sogar, mit etwas Konzentration auf das Wesentliche nach unten zu schweben. Sah sogar durch den Spalt der fast geschlossenen Schublade den Flachmann, doch seine Hände griffen mitten hindurch. Merde!
Wenn es nicht so traurig wäre, würde er denken: „Es ist wirklich zum Mäusemelken! Einerseits durchscheinend sein und schweben können und andererseits nicht aus diesem vermaledeiten Raum entkommen können.“
Irgendetwas musste er doch noch in Petto haben. Irgendwie diesem Gestank und der Eintönigkeit des Büros entfliehen können. Für irgendetwas musste der Tod und sein jetziger Zustand doch gut sein, verdammt noch mal!
Ein aufblitzendes Staubkorn in der aus den dunklen Wolken durchbrechenden Sonne brachte ihm die rettende Eingebung. Was, wenn er sich einfach in den Geist des nächsten Menschen, der hier auftauchte, einschlich. Ob nun neuer Mitarbeiter oder ein Leser dieser Geschichte?
Egal – Hauptsache raus hier! Auch wenn er sich dann Gedanken und Körperempfindungen mit derjenigen Person teilen muss. Ob Fluch oder Gnade, für ihn, sie oder Dich, lieber Leser – das wird sich schon bald herausstellen.
Nur Mut! Es kann nur besser werden!
