Sinn finden 3

Riechen – Immer der Nase nach

Immer der Nase nach!

Auch hier bietet uns unsere Sprache, so wir uns und unseren Mitmenschen genau zuhören, einen Hinweis darauf, was wir in naher Zukunft zu erwarten haben. Auch ob wir jemand riechen können, hat große Auswirkungen auf unseren Umgang miteinander. Es könnte vorkommen, dass der ruchlose Typ verduftet, bevor wir merken, dass er uns nur an der Nase herumgeführt hat. Das stinkt uns dann ziemlich. Da es jedoch mir gerade stinkt, dass mich die Schnaken zwischen den Riemen der Sandalen stechen, unterbreche ich kurz die Arbeit, ziehe mir Socken und andere Schuhe an und stecke in der Schreibpause vorerst meine Nase für den Moment in andere Angelegenheiten.

So, hier bin ich wieder. Du hast es schon an meinen Ausdrücken erkannt: Der Geruchssinn ist dran! Wie gehabt, beginne ich mit meinen momentanen Erfahrungen, um Dir ein lebendiges Beispiel zu geben.

Von links unten steigt mir, wenn der Wind für einen Moment nachlässt, ein warmer, etwas strenger Hundegeruch in die Nase. Dazu mischt sich in unregelmäßigen Abständen der leicht beißende Geruch einer brennenden Zigarette. Just als mein Kaffee kommt, wird er zusammen mit dessen Aroma zu einer würzigen Mischung, die sich meine Aufmerksamkeit mit dem Duft des soeben gebrachten griechischen Salates vom Nebentisch teilen muss. Ich schnuppere sauer vom Essig, frischgrün-herb vom Salat, fruchtig-tomatige Scheiben, sowie salzig-warm der Schafskäse. Die brennende Stöfchenkerze liefert zur Krönung zarte Dämpfe von heißem Wachs.

Beim Geruch fällt mir immer wieder auf, dass er, sobald man ihn bemerkt (zumindest bei mir) am stärksten auffällt und je plötzlicher er auftaucht, umso intensiver riecht. Danach lässt er schnell nach und wird von anderen Eindrücken verdrängt. Zumindest, wenn er nicht nervt. Dann neigt er dazu, sich in der Nase richtiggehend festzusetzen. Der Hundegeruch von eben war nicht so störend und kommt mir erst jetzt wieder ins Bewusstsein, als ich mich durchs Schreiben an ihn erinnere. Die Fragen aus dem Teil übers Fühlen kannst Du leicht abgewandelt auch hier zu Rate ziehen. Nimm, wenn es gerade nichts Deutliches zu riechen gibt, ruhig einen vergangenen Moment oder suche in Deiner Umgebung nach einem Dir genehmen Einstiegsgeruch. Der könnte hinter dem noch geschlossenen Fenster lauern, in Deinen Turnschuhen stecken, in der Blumenvase oder hinter der Kühlschranktüre. Dort variiert die Intensität der Gerüche sehr wahrscheinlich, je nachdem, ob Du gerade hungrig bist oder satt.
Schließe auch hier zur Unterstützung die Augen und frag nach was, wo, wohin und wie genau es gerade riecht. Feuchtigkeit verstärkt die Gerüche. Mir fällt das am deutlichsten im Wald auf, wenn es gerade geregnet hat. Auch frisch geschnittenes Gras, das nun seine Feuchtigkeit aus den Schnittstellen abgibt, ist ein gutes Beispiel.

Für mich war es eine Überraschung, beim Beschreiben zu merken, dass ich die Gerüche sofort mit den anderen Sinneskanälen verbinde und mische. Frischgrün-herb oder erdig (Wald) und salzig-warm (Suppe und Meer)  sind bei mir die sprachlichen Hinweise, wie das bei mir ist. Bei Dir können durchaus andere Kombinationen besonders hervorstechen. Hervorstechen ist wieder ein Hinweis, dass der kinästhetische mein Lieblingskanal ist und ich die meisten Eindrücke sofort mit meinem Fühlen verbinde.


Diese Fähigkeit zur Synästhesie (Verbindung von unterschiedlichen Sinneskanälen) wird noch wertvolle Dienste leisten, wenn wir unsere Fähigkeit verbessern werden, Ärger schon von Weitem zu riechen oder unserem Erleben die Duftnote hinzuzufügen, die uns hilft, Fallen oder Chancen zu wittern.


Nutze und wandel die Fragen des Kapitels über das Fühlen zu diesem Zweck um.
Beschreibe in kurzen Sätzen, was Du wahrnimmst und bemerke, ob dort Hinweis auf Synästhesien vorkommen.
Beispiele dafür wären z.B.:
Warme, leichte oder schwere, stechende, harmonische und strenge Gerüche.


Da die Riechnerven statt über den Hypothalamus (das Tor zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein) direkt in den Bereich fürs Riechen  gehen, können unsere gedanklichen Selbstboykottmuster nicht darauf zugreifen und so die Gerüche unbeeinflusst ihre Wirkung entfalten. 
Ein entwicklungsgeschichtlicher Grund dafür ist z.B., dass wir früher in der Höhle oder Savanne auch im Schlaf (bei ausgeschaltetem Bewusstsein) frühzeitig erwachen und deshalb rechtzeitig fliehen können mussten.


Tipp:

Du kannst Dich deshalb auch fragen, wie eine vorgestellte Situation riechen soll, damit Du Dich wohl darin fühlst. Besonders dann, wenn Du bisher in solchen Situationen eher Angst, Nervosität oder Schwäche gefühlt hast. Wenn Du Deiner Vorstellung einen stärkenden oder motivierenden Duft ganz frech unterjubelst und das ein paar Mal wiederholst, ist es gut möglich, dass es dadurch das Ergebnis, den Ausgang zu Deinen Gunsten verändert. Als Begleiterscheinung der Übungen wird sich auch ganz nebenbei unser Geschmackserleben verstärken und uns, wenn nicht zu einem Gourmet, jedoch zu Genüssen führen, die wir schon lange verloren glaubten. Und seien es am Anfang nur die leckeren Pommes Frites aus dem Schwimmbad.

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