
Mogüll 7 – Heels
Die Olay Yeri İnceleme Uzmanı, so die Bezeichnung der Gerichtsmedizinerin der Spurensicherung Dr. Eleni Konstantinou, die auch die Obduktion an der Pool-Leiche vorgenommen hatte, rief kurz nach der Besprechung noch einmal an. Es sei doch noch eine Verletzung aufgetaucht, bzw. mehrere von wahrscheinlich derselben Waffe. Unter dem Hoden und im Mund im Oberkiefer. Zuerst hatten sie vermutet, dass es Einschusslöcher seien. Doch sie fanden keine Kugel und, was besonders seltsam war, die Löcher hatten unter der Lupe eine gerade und eine abgerundete Seite. Außerdem fanden sich in der Wunde orangene Farbspuren. Diese, so unglaublich das klingen mag, können nur von einer ganz bestimmten Waffe stammen: Einem Highheel!
Eric war sprachlos. Weil er nichts antwortete, fuhr Eleni fort:
„Wirklich! ich kann das deshalb so genau sagen, weil ich genau die Schuhe zuhause stehen habe. In der gleichen Farbe! Natürlich habe ich sofort eine kleine Probe von meinen Schuhen abgekratz und die Farben verglichen. Sie stimmen völlig überein.“
Sie lacht kurz auf. Eric mag dieses rauchige Lachen. Es erinnert ihn immer an diese eine Sängerin, dessen Namen ihm nie einfällt.
„Bevor Du mich jetzt festnehmen musst, gebe ich Dir lieber den Namen der Boutique, wo ich die Treter her habe. Die Fabrik steht zwar in Italien, doch soweit ich weiß, bekommen wir in Zypern und auch der ganzen Türkei diese Schuhe nur in diesem einen Laden. Ich habe ewig im Netz danach gesucht, bis ich sie hier direkt vor meiner Nase gefunden habe. Es sieht also so aus, als komme unser Täter, oder besser unsere Täterin, von hier.“
Eric nickte, merkte dann aber, dass das die Ärztin ja nicht sehen kann und bedankte sich bei ihr. Kurz überlegte er, doch dann entschied er sich, sie in seinen Ermittlungsstand und den daraus entstandenen schlimmen Verdacht einzuweihen. Eleni war neben Polis Mumuru Defne die mit Abstand korrekteste und vertrauenswürdigste Kollegin im Kommisariat von Gisme. Wenn er und seine Kollegen bei der bisherigen Gemengelage ohne wirkliche Beweise die geringste Chance haben wollten, das Verbrechen aufzuklären, brauchten sie Unterstützung. Bisher hatte sie die magere Indizienkette nur zu einem fürchterlichen Verdacht geführt. Wollten sie auf der Insel nicht die Büchse der Pandora öffnen, mussten sie einerseits Zugang zu mehr Informationen bekommen und andererseits verhüten, dass der oder die Täter davon Wind bekommen.
„Eleni, kannst, Du morgen früh ins Café zu Mensure kommen. Wir machen dort unsere Besprechung, da Du Dir sicher denken kannst, dass die Kollegen in der Zentrale nichts davon mitbekommen sollen. Selbst jene, die nicht irgendwie involviert sind, könnten sich beim nächsten Familientreffen verplappern. Wenn die falschen Leute oder Beamten Wind von unserer Ermittlungsrichtung bekommen, verschwinden die Täter und alle Hinweise womöglich.
Oder, was noch schlimmer wäre: Wir!
Im Moment darf unsere Arbeit nur gleichmäßig lauwarm bis kalt nach außen wirken. Zumindest bis wir die passende Zange für das heiße Eisen gefunden haben, mit dem wir hier Gefahr laufen, uns die Finger zu verbrennen.“
„Natürlich Eric! Darf ich Aylin mitbringen? Die hat mich erst auf die Idee mit den Heels gebracht. Ich lege die Hand für sie ins Feuer. Ich bin mir sicher, sie wäre auch froh, wenn sich endlich mal die Richtigen in Girne und auch in unserem Lotterladen die Finger verbrennen täten.“
