
Mogüll 5 – Balon
Während Mogüll in Famagusta dem Dienststellenleiter einen kapitalen Drogenfund schenkte und damit dessen Untergebenen etwas lockerere Arbeitsbedingungen spendierte, ergab die DNA-Analyse der Leiche, dass der Skifahrer im Pool des Kreuzfahrtschiffs ein entfernter Verwandter des ersten Offiziers vom Schiff und gleichzeitig Liebhaber der Schwester der Frau von Girnes Hafenmeister gewesen war. Zum Glück war Polis Memuru Musti so geistesgegenwärtig, dass er seinen Kollegen davon überzeugte, diese brisante Information an niemanden sonst weiter zu geben. Als Dank lud er den Kollegen vom Labor gegen seine Verschwiegenheit ein, Teil des ermittelnden Teams zu werden. Dieser war schon lange heimlicher Fan von Eric Mogüll und dessen oft zwar etwas rüden Umgangsformen, doch eben auch legendären Aufklärungsrate. So konnten sie sicher sein, dass über diesen Kanal keine Informationen abflossen, wenn sie es nicht wollten.
Den Irrwitz der Skifahrerausrüstung des Toten in einem Kreuzfahrtschiff konnte diese Information zwar noch nicht aufklären, doch zumindest ergab sich daraus ein erster Ermittlungsansatz. Zusammen mit dem Drogenfund im angeschwemmten Fass in Famagusta ließen sich daraus mehrere und vor allem spektakuläre Zusammenhänge erahnen. Allerdings war es wirklich noch zu früh für irgendwelche Vorverurteilungen. Den Hafenmeister Mustafa Çelik konnte man ausschließen, denn der war wirklich eine Seele von Mensch, der jeden Fischer beim Vornamen kannte und garantiert keinerlei Interesse an krummen Geschäften hatte. Trotz seiner Gutmütigkeit achtete er in seinem Verantwortungsbereich penibel auf die Einhaltung der Gesetze. Und er nahm sich selbst im Gegensatz zu anderen hohen Tieren in der Verwaltung selbst nicht davon aus. Er duldete keinerlei Verwandschaftsverhältnisse in seiner Behörde. Sein eigener Sohn musste sogar als Einziger seiner Altersklasse nach Famagusta, um dort seinen Segelschein zu machen. Allerdings hatte die Schwester seiner Frau ein etwas schräges und mondänes Fluidum. Sie trug Kleider und Accessoirs die mit dem Verdienst ihre Mannes und dessen eigenem Auftreten schwer in Einklang zu bringen war. Aber klar. Vorerst waren das alles erstmal nur Spekulationen!
Zwar konnte man der Frau wegen ihre Auftretens leicht eine Verbindung zum Verbrechen unterstellen, doch alle sich daraus ableitenden Skripte konnten sich genauso schnell wieder als Makulatur herausstellen. Eine vorsichtige Herangehensweise war also angesagt! Nicht dass ihnen ihre Hypothese eines Tathergangs nicht genauso schnell, pardauz um die Ohren flog, wie sie sie aufstellten. natürlich bestand auch die reale Gefahr dass sie die am Verbrechen Beteiligten damit unnötig warnten.
Was neben dem wahrscheinlichen Ende der Ermittlungen auch einen hässlichen Hagelsturm auf Eric Mogüll und das ganze Team herauf beschwörte. Es wäre garantiert das Ende seiner Karriere. Noch schwerwiegender für die Abteilung wäre der voraussichtliche Nachfolger von Eric. Hakan Sönmez, den ewigen Konkurenten Mogülls, mit dem Selbstvertrauen und Auftreten eines Mafiabosses und dem Intellekt eines Luftballons. Daher auch sein Spitzname im Kommissariat: Balon!
