Mogüll 4 – Famagusta

Mogüll – Famagusta


Sein Kontakt bei der Küstenwache hatte die Uniformjacke offen und darunter kein weißes, sondern ein untramarinblaues T-Shirt, was einen seltsamen Kontrast gab. Aber es beruhigte die von der gleißenden Sonne während der Fahrt angestrengten Augen, so dass Eric erleichtert lächelte, als der Kollege ihm entgegenkam. Die ganze Fahrt über hatte er gegrübelt, warum ihre Dienstwagen in diesen Breitengraden keine automatisch nachdunkelnden Fenster hatten. Vielleicht, weil sie in einem Einsatz beim Aussteigen dann plötzlich in die blendende Helle kämen. Bis sie dann mit ihrer Waffe ein Ziel gefunden hätten, wären sie längst selbst durchlöchert worden. Allerdings hatten wohl deshalb Polizisten auf Zypern so gerne dunkle Sonnenbrillen auf. Das hob den Nachteil natürlich wieder auf.

Vom Parkplatz neben dem Hubschrauberlandeplatz bis zum Büro der Küstenwache war es noch ein Stückchen Fußweg gewesen, auf dem er sich zu seinem Leidwesen noch darüber ärgern durfte, dass er seine eigene Sonnenbrille bei dem Besäufnis mit den Kollegen in der Kneipe vergessen hatte. Ausserdem zu knausrig gewesen war, sich eine Neue zu kaufen. Deshalb wunderte ihn nicht, dass er im wunderbar düsteren und klimatisierten Zimmer des Kollegen und beim Anblick des dunklen Shirts zu lächeln begann. Als dieser hinter seinem Schreibtisch hervor kam, um ihm die Hand zu schütteln, schnupperte Mogüll erstaunt. Normal roch es in Diensstuben von Polizisten nicht wie einem Herbarium. Eher wie eine Mischung aus Wüste und mit schwitzenden Kameltreiberleibern überfüllten Karawanserei.

Yüzbaşı Melek bemerkte grinsend seine Irritation und bat Eric, sich zu setzen. „Leider hat Chef Albay Koruz die Neugier nicht ausgehalten und trotz unseres Protests das Fass doch schon heute Morgen öffnen lassen. Hastig, ungeduldig, ohne Sicherheitsmaßnahmen wie Schutzanzüge oder Gasmasken! Ich kam gerade dazu, als die Blechschere die letzten Zentimeter kappte. Zum Glück hat die Deklarierung darauf gestimmt! Reines Thymianöl. Daraufhin ist unser vorher so leidenschaftlich interessierter Chef enttäuscht und Flüche murmelnd zurück in sein Büro gezuckelt. Da wird er sich, wie sonst auch, den Tag über hinter seinem Riesenbildschirm verstecken und Schiffe-Versenken spielen. Ab und an lassen wir den Strom kurz ausfallen, damit er sich beim Gang zum Sicherungskasten wenigstens etwas bewegt.“

Er schaut plötzlich wieder ernst und nickt Mogüll verschwörerisch zu.
„Thymianöl ist übrigens nicht das Einzige für die Nase, was im Fass transportiert werden sollte.“

Eric Mögüll zieht die Augenbrauen hoch. „Genau, Du ahnst es schon! Unter einem doppelten Boden lag ein flacher Wasserkanister mit zwanzig prall gefüllten Päckchen reinstem Koks!“

Er nickt. „Davon weiß übrigens Albay Koruz noch nichts. Lass uns also an seinem Büro vorbeischleichen, dass er Dich nicht entdeckt und gleich hereinruft. Die Kollegen und ich möchten, dass Du den Bodensatz entdeckst und ihm das persönlich mitteilst. Wenn wir das täten, würde er seine eigene Imkompetenz wieder einmal uns in die Schuhe schieben. Du bist zwar dann der offizielle Finder , aber überlässt ihm bitte die Entdeckung großmütig, dass er sich mit einer großartigen Pressekonferenz selbst in Szene setzen kann. Dann ist er das nächste halbe Jahr bester Laune und läßt und ungestört von seinen launischen Einfällen unsere Arbeit machen!. So kannst Du auch in Zukunft auf eine wohlwollende Unterstützung unserer Dienststelle bauen.“

Gesagt getan. Da bis zur eilig einberufenen Pressekonferenz noch etwa eine Stunde Zeit bleibt, lädt Melek Mogüll zum Essen ein. Bis zum Hisar Restaurant sind es nur etwa zehn Minuten Fußweg. Für einen Şeftali Kebabı langt die Zeit übrig.

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