Goldener Thymian 15 – Horsts Ausbruch

Goldener Thymian – Horsts Ausbruch

„Verdammt noch mal!“ Horsts Augen sprühten Blitze. „Jetzt habe ich aber genug, meine Liebe! Dass Du die letzten Jahre nur noch an mir rummäkelst und kein gutes Haar an mir lässt, habe ich wegen Deiner Migräne ja noch geschluckt. Obwohl es mir sauer aufstößt und mittlerweile sogar mein Magen protestiert. Doch dass Du  meine Lieblingshosen in die Altkleider entsorgt hast, ohne mich zu fragen, geht zu weit!“
Wütend zieht er einen der großen Reisekoffer vom Schlafzimmerschrank, nimmt von seiner Seite des Schranks die Hemden, Hosen, Jacken, Unterwäsche und Socken hinein. „Ich ziehe in mein Arbeitszimmer!“ Lasst Du Deinen gesammelten Lebensfrust, Dein ewiges Gemecker ab jetzt an anderen aus. Ich ertrage es nicht mehr. Wir sind ab jetzt geschiedene Leute! Zu dem Abendessen bei der spanischen Frau gehe ich alleine. Du wärst ohnehin nicht mit. Spätestens heute Nachmittag hätte sich garantiert hilfreich Deine Migräne gemeldet. „


Wütend stapft er in sein Arbeitszimmer, schiebt den Koffer hinein und schließt ruckartig die Tür. 


„Ich bin dann mal weg. Mir eine neue Lieblingshose kaufen.“ Er zieht den Zimmerschlüssel innen von der Tür ab, schließt das Zimmer ab und fummelt ihn an den Schlüsselbund. Dann verlässt er wortlos die gemeinsame Wohnung.


Auf der Treppe begegnet ihm ein Stockwerk tiefer Fr. Köttel. Verwirrt schaut sie ihm nach, da er grußlos an ihr vorbeistürmt.


Sonst ist er doch immer so freundlich, wechselt immer ein paar Worte mit ihr, hilft ihr manchmal sogar die Einkäufe nach oben zu tragen, denkt sie und zupft ihr Haarnetz zurecht. Nur zum Kaffee ist er nie reingekommen, wahrscheinlich wegen seiner bösen Frau. Die grüßt nie. Manchmal hört sie die Frau keifen – durch die Decke! Ob sie ihm wohl wieder die Leviten gelesen hat? Na ja, es geht sie ja eigentlich nichts an.


Als sie nach drinnen geht, und zu kochen beginnt, hört sie oben mehrfaches Türen knallen. 


Horst hat unten vor der Haustüre erst mal tief Luft geholt. Dass er so wütend geworden ist, tut ihm einerseits leid und macht ihn gleichzeitig noch wütender. Am schlimmsten findet er, dass es ihm überhaupt leidtut. Schließlich hat er ja nichts Böses getan. Eigentlich ist er deshalb zornig mit sich. Damit, dass er sich das Gezeter seiner Frau überhaupt so lange gefallen ließ, ihr immer wieder alle Übergriffe verziehen hat. Sich mit seiner Gutmütigkeit zielsicher zum Trottel gemacht hat. Je mehr er versucht hat, ihre Laune zu verbessern, desto gehässiger wurde sie zu ihm. Und er wundert sich, dass sie ihn so behandelt. Wie ein alter gammliger Bettvorleger kommt er sich neben ihr vor. Das ärgert ihn am meisten!


Wütend tritt er gegen einen Fahrradständer und humpelt fluchend weiter. Nun bestraft er sich auch noch selbst. Das muss ein Ende haben! Trotz schmerzendem Zeh geht es ihm jedoch besser und etwas Freiheitsgefühl weitet seine Brust. Den Gedanke, dass ihm diese Auseinandersetzung, das Böse seiner Frau es ihm erst leichter gemacht hat, mit gutem Gewissen zu Donna Estefania zum Abendessen zu gehen, schiebt er vorerst zur Seite. Dass die Frau Seiten in ihm weckt, die er schon völlig verloren wähnte, ist schließlich ein Gewinn. 


Lärmend wogt ein Schwarm Spatzen vor ihm auf dem Gehweg hin und her, als ob sie ihn ablenken wollten und mit ihrer Lebendigkeit anstecken. Er lächelt und setzt seinen Weg nun selbst ein Liedchen pfeifend fort.

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