
Goldener Thymian – Einkauf La Casa Latina
Donna Estefania nestelte nun schon fast zehn Minuten am Reißverschluss ihrer Jacke herum. Wenn sie ihre Brille nicht verlegt hätte, wäre das Scheißding bereits zu und sie könnte bereits den halben Weg zu Daria zurückgelegt haben.
¡Me cago en la leche!
Gut, dann zog sie eben die rote Jacke mit Knöpfen, auch wenn sie für heute zu warm war! Heute Mittag müsste sie dringend nach den Gläsern schauen. Wer weiß, wo sie diese wieder verlegt hatte. Und überhaupt war sie heute seltsam gereizt und fahrig, das kannte sie eigentlich nicht von sich. Wahrscheinlich hing es mit dem Besuch morgen von Horst zusammen, für den sie im La Casa Latina noch einige Zutaten kaufen wollte. Oder aber den seltsamen Visionen, die sie wegen des jungen Mannes über sich seit Kurzem hatte. Der nervigen Mücke zum Beispiel heute Morgen, die sich absolut nicht vertreiben lassen wollte und erst wegflog, als sie ihre Meditation unterbrach, um mit etwas Salvia zu räuchern. Dadurch verschwand dann auch das Bild der wütenden jungen Frau, die sich immer wieder vor ihr inneres Auge schob. Vielleicht war es gar nicht ihre Emotion, die sie eben hat fluchen lassen!
Wenn sie ehrlich sich zu war, könnte es sein, dass sie wegen des Besuchs morgen Abend etwas nervös war. Irgendwie war es ihr doch so, als ob sie damit ihren Emilio betrog. Auch wenn sie sicher war, dass er es befürworten würde, ja sogar sich über eine neue Liebe für sie freuen.
¡Tonterías!
Wie kam sie nur darauf, dass aus der empfundenen Sympathie Liebe werden musste? Erstens kannte sie den Mann ja noch gar nicht richtig und zweitens war er sicher glücklich verheiratet. So zufrieden und emphatisch, wie er gewirkt hatte. Schluss mit Spekulationen! Was sie allerdings erschreckte, war die Abwesenheit ihrer Visionen und die Treffsicherheit ihrer Ahnungen, wenn es um ihre eigenen Belange ging. Wie konnte es sein, dass sie über das Schicksal anderer so genau Bescheid wusste und sie zu ihrem Besten leiten konnte, aber bei sich selbst versagte?
¡No importa!
Als sie endlich am Laden ankam, und die vielen leckeren Dinge sah, die dort in den Regalen auf sie und ihre Kochkünste warteten, besserte sich ihre Laune schlagartig. Nicht nur ihre Augen begannen zu strahlen, auch ihre Ohren freuten sich über die heimatlichen Klänge, die über Lautsprecher und aus den Mündern anderer Kunden kamen. Auch ihre Nasenflügel begannen sich zu weiten und vor Vorfreude zu beben, als ihnen der Duft des gerade frisch ausgelegten Gebäcks in die Nase stieg.
Vielleicht sollte sie sich heute ausnahmsweise einmal Chocolate con Churros gönnen?
