Goldener Thymian 10 – Abschied

Goldener Thymian – Abschied

Freiburg, irgendeine Kneipe spätnachts

An Mathias, den netten Buxtehudener Dorfcasanova!

Sicher hast du schon bemerkt, dass ich nicht zu erreichen bin. Das ist kein Versehen, das ist volle Absicht! Dass es eher eine klägliche Anzahl Versuche waren, mit mir Kontakt aufzunehmen, bestärkt mich noch in meinem Bild von der Lage. Dein Interesse an mir, scheint wohl nicht mehr das Dringlichste zu sein.
Außer dass es dir scheinbar egal ist, dass ich mir jede einzelne Fahrkarte zu dir aus den Rippen schnitzen muss, dass du es nicht schaffst, mich, wenn schon vor dem Einstieg in den ICE auszuladen, bist du auch noch so dämlich, mir als Ausrede einen Freund zu kredenzen, der gerade in Australien ist. Einfach nur peinlich!
Aber sag mal, hältst du mich jetzt auch noch für senil?
Ob Du den Abend mit einer deiner zahlreichen Schwärme verbracht hast,
einer von denen, die nicht nur bei jedem zweiten Bonmot von dir kichern, ist jetzt auch egal.
Ärgern tut mich jetzt eigentlich nur noch, dass ich blöde Pute das Spiel so lange mitgemacht habe.
Wenn ich gewollt hätte, wäre dein Rückzug schon lange zu bemerken gewesen. Aber das geht wohl auf meine Rechnung!
Wenn ich daran denke, wie wir gestartet sind, und was wir alles miteinander erlebt und durchgestanden haben, und wie Du mich nun fallen lässt, packt mich allerdings die kalte Wut!
Wenn ich noch Tränen vergieße, dann sicher keine aus Liebesleid.
Obwohl ich dich geliebt habe. Zumindest war ich davon überzeugt.
Wenn ich daran denke, dass dich das, diesen Brief eingeschlossen, eigentlich kaltlässt (bis auf ein bisschen Mitleid natürlich, das gehört sich ja so unter kultivierten Menschen), könnte ich kotzen!
Du kannst echt von Glück reden, dass uns einige Bundesländer trennen.
Sonst würde ich Gefahr laufen, mich mit voller Absicht strafbar zu machen.
Du kennst doch mein Temperament.

Bevor ich jetzt gleich anfange, das Papier zu zerfetzen, auf das ich schreibe, eines noch.
Auch wenn Du ein riesengroßes Arschloch bist und gleichzeitig ein kläglicher Wurm;
auch wenn Du mir gestohlen bleiben kannst und ich froh bin, wenn ich dich endlich restlos aus meinem Herzen raus geworfen habe:
Unsere Zeit vor meinem Studium war wunderschön.

Scheiß Tränen, die hast Du gar nicht verdient.

Leb wohl, Lilly

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