
Dränge(l)n – eine Schreibübung
Verben und Adverbien, Substantive und Pronomen zu bunten Flechten verflechten, so dass sich der geneigte Leser den ein oder anderen Reim darauf machen kann, ist zeitlebens mein Begehr!
Zuerst wabern sie als ungeordnete Satzteile durch wild funkenden Synapsen, wühlen sich Wort für Wort an die Oberfläche und wollen ungeduldig auf Bildschirm oder Papier. Doch dazu müssen sie erst einen Weg durchs eh schon dichte Gewebe finden. Das Gewebe mit all den Mustern, die sich in den Jahrzehnten meines langen und ereignisreichen Lebens angesammelt haben und bei denen es wichtig ist, sie immer wieder zu durchforsten. Damit sie nicht rettungslos verfilzen, bevor sie das Licht der Welt und die Augen, Hirne und Herzen der Leser erreichen. Denn ab und an wird es darinnen allzu heiß und ich muss Raum und Luft schaffen. Dann glühen meine Fingerspitzen, hüpfen wie wild über die wehrlosen Tasten und geben erst Ruhe, wenn in den Hirnwindungen wieder genügend Raum geschaffen ist und ein sich bildendes Muster weiß, wo es an der Oberfläche ein günstiges Plätzchen findet. Eines, an dem es in hellstem Lichte erscheint und glänzen darf. Bis es so weit ist, kann es allerdings manchmal im Gewebe zu ziemlicher Verwirrung und Unruhe führen. Dann drängt auch Dunkles hervor und möchte beleuchtet und gesehen werden. Ruhe gibt es nur, wenn mensch dem nachgibt. Denn duster wird immer nur, was nicht ans Licht darf.
Zu gegebener Zeit öffnen sich dann innere Horizonte und geben den Blick Richtung Oberfläche frei. Dann drücken die Satzfragmente Wort für Wort mit Vehemenz nach oben und ergießen sich anfangs rücksichtslos drängelnd, weil zu enthusiastisch übers wartende Weiß.
Dort wird ein mehr oder weniger wacher Verstand versuchen, sie mit entschlossenem Streichen oder wenn nötig geduldigem Streicheln an die für sie günstigste Position zu schieben, sie mit Mund und Zungenschlag forschend zum Klingen bringen und so prüfen, ob es nicht doch noch ein besseres Plätzchen für sie gibt.
Es gelten zwar viele recht sinnvolle Regeln für ihren Gebrauch, doch manchmal blühen Worte erst richtig auf, wenn sie die ein oder andere bewährte Gepflogenheit brechen dürfen und so dem Geschichtenteppich ein frischeres und bislang unbekanntes Gesicht geben.
Ist es gelungen, so bewirkt dies leuchtende Antlitz, dass auch die Augen der Leser zu glänzen beginnen.
Nur das ist ihre und meine wahre Erfüllung!
