Sinn finden 5 Das Sehen

Das Sehen – Sichtweisen



Oha! Beim Überarbeiten des ersten Entwurfs bemerke ich, dass ich das Sehen ausgelassen hatte. 

Einerseits ist das der Sinn, der in unserer Kultur am meisten gefordert und gefördert wird. In unserem Alltag spielen die anderen Sinneskanäle zumindest für das bewusste Erleben eher eine untergeordnete Rolle. Schwarz auf Weiß ist nicht umsonst das Synonym für einen Realitätsbeweis.
Andererseits ist diese Unterlassung von mir ein Hinweis darauf, dass ich in meinem persönlichen Erleben die anderen Sinne dem Visuellen vorziehe und diese mehr beleuchte. Das Gesehene eher ausblende oder zuerst den Tastsinn, das Fühlen vorschalten muss, um dem Gesehenen Wert und Bedeutung zu verleihen. Die Beispiele oben (Spagetti-Eis, Spätzle) zeigen das deutlich.

Das führt mich dazu, noch einmal klarer zu machen, dass die Welt, wie wir sie im Hier und Bis-Jetzt wahrnehmen, nur unser Startpunkt ist und unserer gelernten und bevorzugten Sichtweise geschuldet ist. Allein durch Wollen werden sich unsere sinnlichen Beschränkungen nicht aufheben lassen. Denn sie haben ihre Begründung, sind sinnvoll, solange wir den Schutz, den sie uns bieten, nicht anderweitig gewährleisten können. Diese Begrenzungen bleiben zu Deinem Schutz im Dunkeln, wenn wir lediglich versuchen, sie mit rein intellektuellem Verstand sichtbar zu machen. Du bist aber mit ihnen zumindest bis hierhergekommen. Respektiere und achte sie! Dann ist die Chance größer, dass Du Licht ins Dunkel bringen kannst.


Ganz ehrlich: Fällt es Dir nicht auch leichter, etwas an Deinem Verhalten zu ändern, wenn Du spürst, dass Dich Menschen, deretwegen das notwendig wäre, achten und respektieren? So geht es auch den Schutzanteilen, die aufgrund der Beschränkungen, die sie uns auflegen, meist ungeliebt im Hintergrund wirken. Erst nach einer Anerkennung ihrer bisherigen Leistung für unsere Sicherheit geben sie Freiräume für Anpassungen.



Sehen im Augenblick

Über die Augen nehme ich jeden Augenblick unzählige Reize auf. Würden wir im Alltag nicht selektieren, wäre unser Arbeitsspeicher dauernd überlastet. Filtern ist in diesem Zusammenhang eine wertvolle Fähigkeit. Wir blenden deshalb auf unterschiedlichste Weise ein und aus. 
Blickwinkel,
Blickfeld, 
Formen, 
Farben, 
Tiefe, 
Schärfe, 
Bewegung, 
unterschiedliche Helligkeit 
und Glanz 
sind Kategorien, die mir spontan einfallen. Wir sehen äußere und innere Bilder. Nun beobachten wir zuerst einmal die Bilder, die von Außen auf unsere Netzhaut treffen.
Löse zu diesem Zweck immer wieder Deine Augen vom Buch oder Bildschirm.


Benenne innerlich alles, was Du gerade siehst! Fokussiere jetzt auf etwas, das Dir besonders ins Auge springt, wenn Du Dich dort, wo Du bist, umschaust.
Benenne die wahrgenommenen Einzelheiten. (Ein Beispiel zu folgender Übung findest Du im Kapitel: Beispielsituationen.)
Weite Deinen Blick und registriere die Veränderung.
Was ist an den Rändern Deines Blickfeldes gerade noch sichtbar?
Was verändert sich am Gesamtbild, wenn Du den Fokus veränderst?
Welche der obigen Kategorien rückt dann verstärkt ins Blickfeld?
Was würde sich verändern, wenn Du mit den Augen eines Kindes, eines Hundes, der Fliege an der Decke oder durch einen Fotoapparat sehen würdest?
Was, wenn Du Handwerker, Hausfrau, Staubsaugervertreter oder Zeitungsausträger wärst? 


Jetzt kehre zu Deinem normalen Blick auf die Umgebung zurück und bemerke einen Unterschied! Worin – und sei er auch nur ganz klein – besteht er?


Siehst Du nun klarer oder sind die Farben leuchtender?
Ändern sich dadurch andere Wahrnehmungen wie Fühlen, Hören, Riechen oder Schmecken? Woran machst Du das fest?
Verändert sich auch Deine Emotion?


Wie zuvor, bitte ich Dich auch jetzt, Dich an die Art Blick zu erinnern, bei dem Du Dich am wohlsten gefühlt hast. Vielleicht willst Du sie in schwierigen Situationen nutzen, um damit angenehmere Ergebnisse zu erzielen?






Wenn es um die Sehfähigkeit Deiner Augen geht, gibt es auch einige Möglichkeiten, diese zu verbessern. Augentraining hat schon manchem Brillenträger zu einer Reduzierung der Dioptrenzahl geholfen. Eine andere Möglichkeit die Augenmuskeln zu trainieren, sind die Sonnenbrillen mit kleinen Löchern praktisch. Sie zwingen dazu, immer wieder neu zu fokussieren, weil das Auge  dauernd von einem Loch zum anderen springen muss. Sinnvoll ist natürlich auch, immer mal wieder z.B. vom Bildschirm aufzuschauen und auf Gegenstände in unterschiedlichen Abständen zu fokussieren. Wenn die Augen müde werden, ist das Palmieren eine wundervolle Möglichkeit zur Erholung. Man reibt dazu die Handinnenflächen kräftig gegeneinander, bis sie ganz heiß sind. Dann legt sie die Hände auf die geschlossenen Augen und genießt. Das kann man bei Bedarf auch gerne mehrfach wiederholen. Es entspannt übrigens nicht nur die Augen!

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