
Baufällig & längst fälliger Bauplan
Schreibübung in der Kurzgeschichtengruppe des Joyclub.
Vorgegebene Worte: schwanen, Alphabet, Klammer, Spitze, gerastert, mäandern, duftig, tönern
Auf tönernen Beinen steht meine emotionale Sicherheit. Es ist ein lebenslanges Mäandern zwischen Allmacht und Selbstzweifeln. Manchesmal schwindelerregend, allzu oft niederschmetternd!
Mir schwant, es braucht einen stählernen Schwanenhals, einen Hexenfuß, um die morschen Dielen von den verfaulten Balken meiner Lebensbühne zu hebeln. Kein Wunder, dass mir die Bühne immer wieder beim Spitzentanz auf der Bühne wegbricht, wenn sie nicht mal überdacht ist und den Gewalten der Natur schutzlos ausgeliefert langsam dahingammelt. Kein Wunder, denn prasselt der Säureregen von Selbstzweifeln, sowie die knallharten Hagelkörner der Bewertung Tag und Nacht, Sommers wie Winters gnadenlos auf sie herunter.
Es scheint, als ob ich mich irgendwie synaptisch falsch gerastert habe und so immer wieder durch zu große Löcher in meine eigenen Fallgruben falle. Ich habe wohl das Alphabet der Gefühle noch nicht so verinnerlicht, dass ich mir mental die richtigen Sätze vorsagen kann, um sie als Stützbalken für den Dachschaden zu verwenden. Manchmal denke ich, dass ich nicht nur in Liebesbeziehungen ein Klammeräffchen war, sondern auch in Sachen Traumata, Hürden und Sorgen. Die daraus entstehenden Rückkopplungen stören beim Tanz auch ziemlich den Rythmus. So muss es mich nicht verwundern, dass es so oft ein Affentanz wird.
Nun, die eine oder andere Hürde habe ich trotzdem genommen! Nä(h)mlich weil!
Logisch! Sonst säße ich nicht hier und könnte oberschlaue Ergüsse in den Bildschirm tippen. Ich gebe zu, dass ab und an auch mal eine schöne und duftige Stilblüte dabei ist, auf die ich stolz sein kann. Doch rein bühnentechnisch wäre es an der Zeit, statt an der Oberfläche blumige, doch harmlose Husarenstückchen aufzuführen, bei denen eh kaum jemand zuschaut oder gar klatscht, mich endlich an die Fundamente zu trauen. Mir ist Beton zwar suspekt, doch ist es vielleicht sinnvoller, ihn zur Stabiliesierung unten auf dem Sand zu verwenden, statt vor lauter Unsicherheit zum gefühllosen Betonkopf zu mutieren. Betonköpfe pflegen über kurz oder lang wieder in der Versenkung unter den Dünen ihrer mentalen Wüste zu versinken.
Von den alten, ehrwürdeigen Bodendielen werde ich das schönste Brett aufheben. Nur, falls ich mal wieder ein strategisch wertvolles Brett vorm Kopf brauche. Alte Bretter sind halt einfach schöner. Sie zeugen von prallem Leben, von Kunst, von Siegen und Niederlagen. Sie erinnern mich auch an all die Tänze, wie ich sie und mich bisher aufgeführt habe.
