Akzep-Tanz oder Unnötige Beschwerden eines alten Mannes

Akzep-Tanz oder Unnötige Beschwerden eines alten Mannes

Wie fad, oh Schreiberling, ist Deine Welt nur geworden. Keine Musik mehr in den Knochen, vom Geist gar nicht zu reden. Leidenschaftlich leidenschaftslos Dein Blick auf das azurblaue Meer, langsam der Griff zum Kaffee. Wo früher einmal Schmetterlinge im Bauch das Pastel de Nata schon vor der begeisterten Zunge erkannten und der Magen das Zwerchfell ungeduldig zu Hüpfen anwies, auf dass die Köstlichkeit schneller nach unten rutsche, melden sich heute mehr nur gelangweilte Gasbläschen unter dem Magen, durch den zugegeben schon lange keine richtige Liebe mehr ging. Trotz der Bullenhitze außen ist mein Gemüt soweit abgekühlt, dass selbst ersehnte Urlaubstage wie übervolle Strassenbahnen an ihm haltlos und sowieso unbemerkt vorüberrattern. 

Wo sanfte Weisheit ruft, antwortet meist nur noch gähnende Leere, die nach abgestandener Freundlichkeit schmeckt. 

Und seltsamerweise, ist es das einzige Weise, das ich mir noch ehrlich zuschreiben kann, und es macht mir nicht einmal etwas aus. Wie sollte es auch etwas ausmachen, wenn sowieso nichts an ist. Selbst diese eigentlich heftige Erkenntnis vermag mir im Moment keinen Stromschlag mehr zu verpassen, keinen bedrohlich belebenden Kurzschluß auszulösen, keinen auch noch so kleinen Brand zu entfachen. 

Ist es das Alter, die mittlerweile Äonen immer erfolgreich angewendeten Gewohnheiten, die dieses lahme LMAA erzeugen? Ich denke, das einzig Gefährliche an der flackernden Kerze ist,  dass ich irgendwann kein Zündholz mehr finde. Oder nichts mehr, zum daran reiben. 

Kerze ausblasen ist zum Glück nicht! Das haben außer mir schon viele erfolglos versucht. Es ist nie gelungen. Sicher, ich könnte damit auch wieder schnell ein helles Feuer entzünden. 

Doch wozu? Ich will ja, dass der Funke nur überspringt, wenn er von ganz innen kommt und so völlig freiwillig nach außen drängt. Dann dürfen auch wieder Schmetterlinge fliegen, Stromschläge meine Muskeln zu Spannung verführen und die Pastel de Nata über meine Papillen tanzen. 

Denn nur dann braucht mein Leben keine externe Inszenierungen. Denn diese haben bislang imer dazu geführt, dass mein Springbrunnen Stück für Stück verstopfte. Und ich damit genau in diejenige Stimmung gerutscht bin, mit der dieser Text begann. 

Zum Glück fungiert und funktioniert bei mir das Schreiben schon immer zuverlässig als Flaschenbürste! 

So schmecke ich nun im Kaffee wieder die herrlichen Röststoffe, die Vanille im Puddingstückchen erinnert mich an so manchen Kuss samtweicher Lippen und ich finde tatsächlich einen Platz in der haltenden Strassenbahn des Lebens. Nun stört mich nicht einmal die Meldung meiner protestierenden, weil vom scharfsäuerlichen Achselduft des Nachbarn verärgerten Nasenschleimhaut . Sie zwingt mir Miesepeter sogar kurz die Mundwinkel nach oben. 

Nun ist endlich wieder Leben in mir!

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