Hoppe-Hoppe- Reiter

Hoppe -Hoppe- Reiter

Als ich das hübsche Pferdchen mit der wilden Mähne auf die Augenweide führte, wusste ich noch nicht, dass es auch diemal nicht zum gemeinsamen Ritt kommen würde. Allerdings hätte es mir spätestens im Kopfkino auffallen müssen! Denn als der Held des Films nach zuviel Bölkstoff auf seiner Rennsemmel die Kurve nicht kriegte und volle Lotte im Strassengraben landete, lachte sie hämisch und meinte: „Ach, kuck mal – ein richtiger Matscho!“ Ihre Zähne leuchteten stutenbissig, doch wegen der schon bis in die Buxen lebendigen Vorstellung vom späteren Kuscheln übersah ich nur allzugerne dieses kleine aber verräterische Detail. Selbst picksiges Stroh im Kopf und als Unterlage im Liebesnest wären mir willkommen gewesen.

Testosterongeschwängerte Hengste haben meist keinen klaren Blick mehr. Ihre oberen Hirne folgen nur noch strikt dem nebelverhangenen Weg nach unten Richtung Gipfel. Motto: Hoch den Zipfel! Geil und geistig beginnen darum beide mit den selben Buchstaben. Da ist die Vewichselungsgefahr einfach zu groß! Der Drang zu spielen, das Hoppe-Hoppe-Reiter lockt! Schlimmens! Natürlich immer in der Hoffnung, nicht am Ende betröppelt im Wald zu stehen, um nur noch den geschrumpften Pfifferling zu suchen. Ob nun gleich abgewiesen oder langfristig zum Stallmeister verpflichtet, kommt aus Gleiche raus. Es bleibt lediglich Ausmisten und alltäglich ausgiebiges Striegeln. Reiten tut meist jemand anderes.

Wie schon erwähnt: Ich hatte in der Situation nun aber mal Scheuklappen an.

Versagt, vertan!

Ich übersah nur zu allgerne die kurz aufblitzende Stutenbissigkeit und hoffte, dass wir bald gemeinsam auf der unnützen Satteldecke einen wilden Ritt über Stock und Stein hinlegen würden.

Daraus wurde nichts! Aber zum Glück! es war von Anfang an ein Schnapsidee.

Denn als ich sie auf dem Heimweg fragte, ob ich sie noch zum Essen ins nette Steakhaus um die Ecke einladen dürfe, fuhr sie herum, zeigte wiederum die Zähne, verzog das ganze Gesicht zu einer wütenden Fratze und fragte in scharfem Ton, wie ich darauf käme, dass sie Kadaver fressen wolle.

Rumms! Da fielen die Scheuklappen, verfingen sich in den Steigbügeln und mein innerer Hengst bockte und warf den dummen Reiter ab.

Obwohl mein Testosteronspiegel in diesem Moment tatsächlich in die Höhe schnellte, wortwörtlich, vom Unterleib in die Zornesadern an meiner Stirn, blieb ich ruhig. Ich holte einmal tief Luft und ließ sie wieder gaaaanz laaangsam hinaus. Sagte mir innerlich: „Ruhig Brauner, die Mähre ist es nicht wert. Jetzt einfach Hott statt Hüh!“ Ich schulterte also innerlich Satteldecke, Sattel und Zaumzeug und verzichtete darauf, auf die stutenpissige Bemerkung zu antworten. Nur frage ich mich, warum ich immer wieder aufs falsche Pferd setze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen