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Wortklaubereien ————-

Wenn Wirtsleute Leute bewirten, Schuhmacher Schuhe machen, Hürdenläufer über Hürden laufen und Hosenscheißer in die Hose scheißen, wieso heißt es dann Schriftsteller? Wohin stellen die die Schrift? Nun gut, im Bildschirm steht die Schrift wirklich, außer der Leser legt sein Lesegerät auf den Tisch. Okay, auch im Buch liegen die Schriften meist nur, wenn es zugeklappt ist. Sogar wenn der besagte Schriftsteller gerade eine Geschichte schreibt, liegen die Worte flach auf der Unterlage. Bei der Schreibmaschine standen sie schon, doch nur kurz. Spätestens nach dem Ratsch lagen sie wieder. Entweder im Stapel oder zusammengeknüllt im Papierkorb. Der Schriftsetzer stellte früher auch nur liegende Schriftzeichenblöcke auf den Rahmen. Gesessen ist er selbst dabei in der Regel auch nicht. Nun gut, wollen wir mal nicht so streng sein.

Weshalb ich überhaupt solch ein Gedankenkarussell laufen lassen?
Was die Frage aufwirft, wer bei einem Karussell läuft, wo Karusselle doch im wahrsten Sinn des Wortes kreisen.

Ach, lassen wir das.

Wortklauberei führt nur bei Dichtern und das auch eher selten zu überraschenden Versen. Und manches Mal findet man auch den ein oder anderen Hinweis auf geschichtliche oder kulturelle Hintergründe, die sich über die Buchstabenkombination leise in den Vordergrund schieben. Ein Buchstabe nach dem Anderen, bis es Klick macht, der Groschen fällt und eine neualte Bedeutung einige mehr der Synapsen deines Oberstübchens zum Aufleuchten bringt.

Allerdings genießen die meisten Zeitgenossen solche Gedankenblitze eher nicht, eher niesen sie diesen unangenehm kitzelnden Reiz wieder aus, bevor er ihnen hinterrücks Knoten ins Hirn macht. Welche sie dann wegen ihrer meist intellektuellen Ungeübtheit nur schwer wieder gelöst bekommen und vor solchen Herausforderungen lieber die Vogel-Strauß-Taktik anwenden. Da unten ist es schön dunkel, alle Synapsen beruhigen sich wieder und wenn die Gefahr von weiteren weirden, woken oder gar politischen und anstrengenden Gedankengängen vorüber ist, kann man den Kopf zwar nicht aus der Schlinge, doch wieder an die Wüstenluft ziehen und das Weite gewinnen. Die Aussichten auf ein Leben in Saus und Braus sind zwar des Straußen Kernkompetenz, doch schließt das in dieser Umgebung mangels Nahrung sicher kein besonders üppiges Geistesleben mit ein.

Die Vorstellung vom Vogel Strauß macht mir schon beim Lesen Kopfschmerzen. Und mir fängt die Kopfhaut vor lauter Sand wie blöd an zu jucken. Da helfen dann keine Schläge mit der Fliegenklatsche, kein heftiges Ausbürsten mehr – ich muss mir jemanden suchen, der mir gehörig den Kopf wäscht und mich so auf andere Gedanken bringt. Anders lässt sich das rieselnde Gefühl und das dabei entstehende Geräusch nicht mehr aus den Ohren entfernen.

Ich bekomme bei manchen Wortbildern sozusagen oder -lesen einen sofortigen Bedeutungstinitus, der sich augenblicklich steigert, so dass sich die Wortungetüme entweder schlagartig (Welch seltsam Wort!) zu unüberwindlichen Bergen mit schneeweißen Kuppen entwickeln oder zu Filmszenen mit solch orchestraler Heftigkeit und von immenser Länge aneinanderreien, dass man als Schriftsteller daraus ganze Epen oder Familiensaga setzen, legen, schreiben könnte.

Was mich wiederum zur Frage bringt, warum es denn jetzt Schriftsteller heißt?

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